Habe ich schon erwähnt, dass 2025 ganz schön viel los gewesen ist? Ich schaue hier vor allem auf persönliche Erlebnisse zurück, aber bekanntermaßen hängen das Private und das Politische immer zusammen, auch wenn viele dies um ihrer Ruhe willen verdrängen. Wie die Jahre zuvor haben mich die Klimakrise, das Aufkommen der Faschisten und der Ukraine-Krieg so manche Nacht wachgehalten. Dazu kamen Gaza und Sudan … und natürlich der unausweichliche Trump. Ob sich da auch Positives finden lässt?
Klimakatastrophe und Umweltzerstörung kommen in der Multikrise nur noch am Rande vor, aber zum Glück fallen aktuelle politische Fehlentscheidungen gegenüber der wirtschaftlichen Vernunft nicht mehr so ins Gewicht. Warum installiert China zwei Drittel aller Windräder weltweit? Warum ist es auch in Hamburg ein No-Brainer, sich ein Balkonkraftwerk hinzustellen? Warum wurden 2025 in Deutschland mit 300 000 Wärmepumpen doppelt so viele installiert wie 2024? Weil es günstiger ist und hilft, die Erderwärmung auf ein noch halbwegs beherrschbares Maß zu begrenzen.
Den politischen und militärischen Entwicklungen des Ukraine-Kriegs etwas Positives abgewinnen zu wollen, ist angesichts von täglich hunderten Toten und Verwundeten an der Front und den Zerstörungen durch Raketenterror ziemlich gewagt. Meine Hoffnung ist, dass die Erfahrungen dieses Krieges sowie die weitere Entwicklung der Luftabwehr-, Drohnen- und Aufklärungstechnologien den Verteidiger strukturell stark bevorteilen und in Zukunft konventionelle Eroberungsfeldzüge verunmöglichen. Vielleicht werden Ideen wie strukturelle Nichtangriffsfähigkeit und technomorphe Verteidigung, wie sie etwa der Friedensforscher Horst Afheldt schon vor fünfzig Jahren entwickelt hat, in den nächsten Jahren Realität (Stichwort: Drohnenwall).

Was das Erstarken der extremen Rechten angeht, bleibt die Hoffnung, dass sie sich umso mehr selbst zerlegen, je mehr Macht sie bekommen. Aber es besteht natürlich die Gefahr, dass die Konservativen ihren Restverstand verlieren und es auch auf Bundes- und Europaebene zur »Machtergreifung« kommt. Dann nützt es auch nicht mehr viel, in dem einzigen Bundesland zu leben, in dem die AfD nach aktuellen Umfragen bei einer Landtagswahl weniger als zehn Prozent bekäme.
Dass wir die AfD hier nicht haben wollen, zeigte sich auch Ende Januar 2025, als eine Wahlkampfveranstaltung mit AfD-Prominenz in der Friedrich-Ebert-Halle (und auf dem ehemaligen Schulgelände meiner Kinder) nur unter Polizeischutz und dem Einsatz von Wasserwerfern stattfinden konnte.

Prägend für den restlichen Verlauf meines Jahres war natürlich im März die Verleihung des SERAPH für »All An!« als bestem verlagsunabhängigen Fantastik-Roman. Näheres dazu könnt ihr hier nachlesen: https://khbrassel.de/de/blog/schreiben/lbm25-seraph. Kurz danach kam noch die Nominierung für den Krefelder Preis für Fantastische Literatur! dazu. In der Folge habe ich mich auf Lesungen, Tagungen und kleineren Messen getummelt und viel korrespondiert. Dabei durfte ich viele interessante Menschen neu kennenlernen. Besonders gefreut habe ich mich aber auch über die Wiederbelebung alter Kontakte: zu früheren Arbeitskolleg*innen, zu ehemaligen Kommilitonen und Professoren der Uni Koblenz oder zu meinem alten Deutschlehrer in Bochum.
Im Rückblick auf mein »All An!«-Projekt kann ich sagen, dass mir die zwei Jahre des Schreibens und das folgende Jahr des Trommelns für das Buch persönlich sehr viel gegeben haben. Finanziell sieht es, trotz Seraph-Preisgeld, eher umgekehrt aus, was aber beim Erstlingswerk eines Self-Publishers auch nicht anders zu erwarten ist.
Zum Schreiben bin ich erst wieder gegen Ende des Jahres gekommen. Neben einem Sachtext »Über den Einfluss der Fantastik auf Politik und Gesellschaft«, der zum Jahreswechsel in der Zeitschrift für Fantastikforschung erscheinen wird, arbeite ich gerade an einer Kurzgeschichte und einer Novelle, über die ich aber noch nichts Genaueres verraten will. Auf alle Fälle freue ich mich schon jetzt riesig auf die Leipziger Buchmesse im März. Dort darf ich die Laudatio für den nächsten Preisträger oder die nächste Preisträgerin des Independent-Seraph halten. Das wird wieder spannend.
Spannend fand ich es auch, wieder mehr zu lesen, was ich mir für 2025 fest vorgenommen hatte. E-Books eingerechnet, kamen immerhin zwei Dutzend Titel zusammen, die ich allesamt mit Gewinn gelesen habe.
Außer Lesen nix gewesen? Kann man so nicht sagen, denn das Leben bleibt eine Baustelle, vor allem wenn sich im Haus die Schläuche der zentralen Lüftungsanlage verabschieden oder es mit dem Glasfaseranschluss plötzlich doch ganz schnell geht. Außerdem hat die ganze Nachbarschaft an einem Strang gezogen, um unsere sechs Wohneinheiten mit Balkonkraftwerken auszustatten – unser kleiner Beitrag zur Energiewende in Bürgerhand.
Ebenfalls an einem Strang gezogen hat die eingeschworene Walking-Football-Gruppe der Turnerschaft Harburg bei ihrem ersten offiziellen Freundschaftsspiel, bei dem sie zwei wunderbar herausgespielte Tore erzielte (die elf Gegentore waren dagegen eher glücklich). Man achte auf die perfekte Schusshaltung der Nummer 7.

Im Sommer ging es dann auch mal raus in die weite Welt, z. B. mit einer wundervollen Fahrradtour mit meiner älteren Tochter die Ruhr entlang, die uns auch zum Institut für Umwelt- und Zukunftsforschung in den Bochumer Süden führte. Als die Anlage noch unter »Institut für Weltraumforschung / Sternwarte Bochum« firmierte, verbrachte ich dort als Teenager manche Stunde. Mit beiden Töchtern ging es zu einem Open-Air-Konzert des fantastischen Trios »The Maestros« am Strand von Travemünde, und nicht zu vergessen der Sonntagsausflug mit Bruder und Muttern zu ihren Wurzeln ins Sauerland.
So lassen wir 2025 hinter uns.
Ich wünsche euch allen ein gutes, gesundes neues Jahr 2026 und hoffe, wir hören voneinander ... Kai